Das Thema „Femtech“ boomt gerade. Eine ganze Industrie beschäftigt sich damit, technische Lösungen für Frauengesundheit zu entwickeln. Der Artikel erklärt, was genau sich hinter dem Begriff Femtech verbirgt und warum Datenschutz hier eine besonders wichtige Rolle spielt.
Der Inhalt im Überblick
Ausgangspunkt: Der Gender Health Gap
Frauen in der EU haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Gleichzeitig verbringen sie mehr Lebenszeit bei schlechter Gesundheit. Das liegt einerseits an frauenspezifischen Krankheiten, die unzureichend erforscht sind und für die es noch keine ausreichenden Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Endometriose – eine chronische Krankheit, von der schätzungsweise mehr als jede zehnte Frau betroffen ist. Andererseits gibt es aber auch Unterschiede bei der Behandlung von Krankheiten, die nicht geschlechterspezifisch sind. Darunter fallen z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei denen Frauen im Durchschnitt längere Diagnosezeiten haben. Zuletzt spielen auch gesellschaftliche Prägungen beim Gender Health Gap mit. So gibt es mit dem „Pain bias“ mittlerweile einen eigenen Begriff dafür, dass Schmerzen bei Frauen in der Gesundheitsversorgung durchschnittlich weniger ernst genommen als bei Männern.
Zu Recht erhält das Thema Frauengesundheit immer mehr Aufmerksamkeit. Dabei fußt die Motivation, den Gender Health Gap zu schließen, nicht nur auf dem Wunsch nach Gleichberechtigung. Auch ökonomische Erwägungen spielen eine Rolle. Einer Studie des McKinsey Health Institute zu Folge, könnte bessere Frauengesundheit die Weltwirtschaft bis 2040 jährlich um rund USD 1 Billion ankurbeln. Die Studie trägt den bezeichnenden Titel:
“Closing the women’s health gap: A $1 trillion opportunity to improve lives and economies”
Gender Health Gap und Gender Data Gap
Ein wichtiger Grund für den Gender Health Gap liegt in einer Datenlücke: dem sogenannten „Gender Data Gap“. Weil Frauen z. B. in klinischen Studien oft unterrepräsentiert sind, gibt es von ihnen schlichtweg weniger Gesundheitsdaten als von Männern. Um beim Beispiel der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bleiben, heißt das: Ihre Symptome finden in den aktuellen, ärztlichen Leitlinien zu wenig Berücksichtigung. Mit einer atypischen, diffusen Symptomatik sind sie schwieriger zu diagnostizieren.
Femtech als Lösung für bessere Frauengesundheit
Alleine die Datenlücken zu schließen, behebt die beschriebenen Probleme nicht. Immer mehr Unternehmen entwickeln technische Lösungen in Form von Produkten und Dienstleistungen, die gezielt auf Frauengesundheit eingehen. Hinter „Femtech“ steht eine ganze, im Aufbau befindliche Industrie. Den Begriff hat die Dänin Ida Tin geprägt, Gründerin der Zyklustracker-App „Clue“. Hier können Frauen Daten zu ihrem Zyklus eingeben, z.B. um Informationen zu ihren Menstruationsbeschwerden oder ihrer Fruchtbarkeit zu erhalten. Am Beispiel Zyklustracking lässt sich gut das Spannungsfeld zeigen, in dem Femtech sich bewegt: Damit die Lösungen funktionieren, werden Daten gebraucht. Diese Daten sind aber in der Regel Gesundheitsdaten i.S.d. Art. 9 DSGVO und damit besonders sensibel und schützenswert.
Wenn Femtech-Lösungen keinen robusten Datenschutz haben, drohen den Anbietern nicht nur Bußgelder, sondern es erodiert auch das Vertrauen ihrer Nutzerinnen. Drastisch zeigt sich das an dem Rechtsstreit, den eine andere Zyklustracker App, „Flo“, in den vergangenen Jahren führen musste. Ausgangspunkt war die Behauptung, sie habe Zyklusdaten ihrer Nutzerinnen an Google und Facebook weitergeleitet. Für Frauen, die – z. B. in den USA – von Abtreibungsverboten betroffen sind, kann Vertrauensverlust auch Angst bedeuten: Im schlimmsten Fall legt ein unbefugter Zugriff auf Zyklusdaten Hinweise auf eine verbotene Abtreibung offen.
Femtech braucht Datenschutz
Auch wenn man den Teufel nicht an die Wand malen muss: Femtech braucht Datenschutz. Dabei bietet sich mit der DSGVO eine besondere Chance für Unternehmen aus der EU. Denn die DSGVO ist mit ihren strengen Anforderungen ein Aushängeschild. Wer Femtech-Lösungen DSGVO-konform entwickelt, kann damit auch global Werbung machen. Und damit dazu beitragen, dass der Gender Health Gap geschlossen wird.
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