Kinder und Jugendliche hinterlassen im Internet täglich digitale Spuren, oft ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Dieser Beitrag zeigt, warum Datenschutz bereits im Unterricht vermittelt werden sollte, welche Materialien zur Sensibilisierung bereitstehen und wie Eltern und Lehrkräfte gemeinsam zu einem bewussten Umgang mit Daten beitragen können.
Der Inhalt im Überblick
- Warum ist Datenschutz für Kinder und Jugendliche wichtig?
- Welche Risiken birgt das Internet für Kinder und Jugendliche?
- Welche Rolle spielen Eltern bei der Sensibilisierung für Datenschutz?
- Sollte Datenschutz als Pflichtfach im Unterricht eingeführt werden?
- Unterrichtsmaterialien für die Datenschutz-Sensibilisierung
- Wie können sich Kinder und Jugendliche selbst über Datenschutz informieren?
- Datenschutz kann kinderleicht sein – wenn alle an einem Strang ziehen
Warum ist Datenschutz für Kinder und Jugendliche wichtig?
Die heutigen Generationen wachsen mit digitalen Technologien auf; das Internet ist fester Bestandteil des Lebens. Während Kinder und Jugendliche soziale Netzwerke nutzen, auf diversen Apps ihre Zeit verbringen und Informationen suchen, hinterlassen sie zahlreiche Spuren, über die sie sich häufig kaum bewusst sind.
Auch wenn sich in der Regel kein Kind auf sein informationelles Selbstbestimmungsrecht berufen wird, steht es ihm aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG zu. In diesem Zusammenhang unterliegen die personenbezogenen Daten von Kindern selbstverständlich auch dem Schutz der DSGVO. Problematisch wird es, wenn Kinder nicht wissen, dass sie über Rechte verfügen und warum diese überhaupt gewährt werden. Unternehmen können intransparent Kinderdaten insbesondere für Werbezwecke verwenden, und wie Erwachsene sind auch Kinder Gefahren wie Phishing oder Schadsoftware ausgesetzt.
Welche Risiken birgt das Internet für Kinder und Jugendliche?
Weder Kindern noch Jugendlichen sollen die Vorteile des Internets vorenthalten werden. Das Spektrum an Informationen und Wissen, die Kinder schnell und einfach erlangen können, ist unvergleichbar und unersetzbar. Doch was leider noch nicht allen bekannt ist, sind die ernsthaften Risiken der Internetnutzung. Das Bedauerliche ist, dass diese Risiken oft gar nicht als Gefahr eingestuft werden und ihre Ernsthaftigkeit angezweifelt wird. Die Floskeln „Mir passiert schon nichts!“ oder „Ich habe doch nichts zu verbergen!“ hört man immer noch häufig.
Eines wird dabei gern ignoriert oder gerät in Vergessenheit: Das Internet vergisst nie. In dieser Hinsicht sollten auch Kinder und Jugendliche aufgeklärt werden, damit sie später nicht mit unangenehmen Beiträgen – insbesondere bei der Nutzung von sozialen Netzwerken – konfrontiert werden. Die Sensibilisierung für diese Risiken ist ein wesentlicher Baustein des Datenschutzes im digitalen Alltag.
Welche Rolle spielen Eltern bei der Sensibilisierung für Datenschutz?
Eltern nehmen eine zentrale Rolle bei der Wissensvermittlung und der Internetnutzung ihrer Kinder ein. Das Bewusstsein über die angemessene Nutzung digitaler Möglichkeiten ist Sache der Erziehung, die individuell abläuft. Hierbei ist ein gesundes Vertrauensverhältnis vorausgesetzt, um Kindern den Mut zu geben, bei Gefahren im Internet mit ihren Eltern zu sprechen. Doch was, wenn die Eltern selbst nicht viel vom Datenschutz halten? An diesem Punkt wird es kritisch und es stellt sich die Frage, wie Kinder sonst in Kontakt mit dem Datenschutz kommen sollen.
Die Schule stellt hier eine zentrale Ergänzung dar. Unabhängig vom Elternhaus bietet sie einen Rahmen, in dem alle Kinder und Jugendlichen für den Datenschutz sensibilisiert werden können. Die Kombination aus häuslicher und schulischer Aufklärung bildet die beste Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit personenbezogenen Daten.
Sollte Datenschutz als Pflichtfach im Unterricht eingeführt werden?
Die Schule ist der Ort, an dem Kinder und Jugendliche den Großteil ihrer Zeit verbringen und damit ein naheliegender Raum für die Vermittlung von Datenschutzkompetenzen. Die Forderung nach einem eigenständigen Pflichtfach wird seit Jahren diskutiert und gewinnt immer noch zunehmend an Gewicht. Bislang findet Datenschutz in den Lehrplänen jedoch keinen festen Platz.
Dabei gibt es vielfältige Umsetzungsmöglichkeiten. Dies könnte z. B. in Form von regelmäßigen Workshops durch Datenschutz-Experten, dedizierte Unterrichtseinheiten innerhalb bestehender Fächer oder durch eigenständige Projektwochen erfolgen. Entscheidend ist, dass der Datenschutz überhaupt systematisch im Unterricht verankert wird. Die konkrete Ausgestaltung bleibt dann eine Frage der schulischen Planung.
Dass ein solcher Ansatz funktioniert, zeigt sich am Beispiel Rheinland-Pfalz: Dort führt der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (LfDI) seit 2010 Schülerworkshops zur Sensibilisierung an Schulen durch.
Unterrichtsmaterialien für die Datenschutz-Sensibilisierung
Von Tag zu Tag werden mehr Möglichkeiten angeboten, um den Datenschutz im Unterricht einzubinden. Das erfordert in gewissen Fällen auch das Engagement und die Initiative von Lehrkräften. Neben Workshops oder Schulungen durch Datenschutz-Experten besteht die Option, dass Lehrkräfte anhand hilfreicher Unterrichtsmaterialien diese Rolle übernehmen. Ein berechtigter Kritikpunkt ist, dass Lehrkräfte sich im Themengebiet fortbilden müssen. Man könnte so weit gehen, dass der Datenschutz in der Lehrerausbildung Pflicht werden muss, um sowohl den Umgang mit personenbezogenen Daten zu erleichtern als auch im Unterricht das erforderliche Wissen zu vermitteln. Hilfreiche Hintergrundinformationen sind auf der Webseite „deutscher Bildungsserver“ zu finden.
Zahlreiche kostenlose Initiativen und Materialsammlungen unterstützen Lehrkräfte bei der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen:
- „Datenschutz geht zur Schule“ (BvD e.V.): Die 2009 gegründete Initiative sensibilisiert Schülerinnen und Schüler bundesweit von der 5. Klasse bis zur Berufsschule für den sicheren Umgang mit Internet und sozialen Medien. In Kooperation mit klicksafe steht ein kostenloses Lehrerhandout mit Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Daneben wurde eine Materialsammlung für Lehrkräfte und Eltern zusammengestellt. In dieser Materialsammlung erfolgt sogar ein Verweis auf die Blogbeiträge von Dr. Datenschutz über WhatsApp und den Kinderdatenschutz. Seit 2022 gibt es in Zusammenarbeit mit Datenschutzaufsichtsbehörden zudem das Videoformat „Datenschutz – leicht erklärt“.
- DigiBitS (Deutschland sicher im Netz e.V.): Bietet einen Materialpool mit Link-Tipps, Video-Empfehlungen, Unterrichtsmaterialien, Arbeitsblättern sowie Broschüren für die Fortbildung.
- HanisauLand (Bundeszentrale für politische Bildung): Hierbei handelt es sich um eine Webseite, bestehend aus jeweils zwei Versionen: Eine richtet sich an Kinder, eine an Lehrkräfte. Für Lehrkräfte sind insbesondere Unterrichtsmaterialien zu finden. Kinder können außerhalb der Schule die Webseite für Comics, Spiele und das Lexikon nutzen.
- Internet-ABC (Landesmedienanstalten): Die Webseite gibt es in Versionen für Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Für die Unterrichtsgestaltung sind insbesondere Lehrerhandbücher und Arbeitshefte zu finden. Für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren gibt es spielerische Möglichkeiten, sich mit dem Datenschutz auseinanderzusetzen.
- „Data Kids“ (BlnBDI): Bei diesem Angebot sind fünf Unterrichtseinheiten für die Jahrgangsstufen 4 bis 6 zu finden. Die methodisch-didaktischen Hinweise dienen gleichzeitig als Leitfaden für Lehrkräfte. Ergänzend können sich Schulen für kostenlose Workshops anmelden. Für Jugendliche höherer Jahrgangsstufen bietet „YoungData“ weiterführende Inhalte.
- Bildungspaket (Digitalcourage): Das Bildungspaket bietet Leitlinien, Tipps und Materialien zur Gestaltung der digitalen Bildung entweder als Basisversion oder Vollversion an. Die Wissensreihe „kurz&mündig“ kann hierbei zusätzlich als Nachschlagewerk dienen.
Wie können sich Kinder und Jugendliche selbst über Datenschutz informieren?
Sich mit dem Datenschutz zu beschäftigen, wird nicht das Erste sein, woran Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit denken. Auch, wenn die Themen Datenschutz und Sicherheit im Internet Teil der Erziehung sind und zur schulischen Bildung gehören, können sich Kinder auch selbstständig informieren. Ihnen stehen die Ressourcen zur Hand, da sie in der Regel über ein Endgerät und einen Internetzugriff verfügen. Doch insbesondere den Eltern oder auch Lehrkräften stehen nicht immer Ressourcen wie Zeit oder ausreichendes Wissen zur Verfügung. Die oben genannten Materialien sind deshalb hierfür eine geeignete Stütze.
Sobald Neugier und Interesse geweckt sind, entsteht ein Domino-Effekt. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche auf nützliche und seriöse Webseiten gelangen, die ansprechend gestaltet und altersgerecht aufbereitet sind. Fast alle der genannten Webseiten verfügen über eine Kinder-Version. Eine weitere Empfehlung ist der Privat-o-Mat, ein Kooperationsprojekt der Hochschule der Medien in Stuttgart und des Landesdatenschutzbeauftragten Baden-Württemberg, mit dem Nutzende ihr eigenes Verhalten testen können. Nach dem Konzept funktioniert er wie der „Wahl-o-Mat“ während der Bundes- oder Landtagswahlen. Im Ergebnis stellt sich dann aber heraus, wie Nutzende mit ihren eigenen Daten umgehen und welcher Daten-Typ sie sind.
Datenschutz kann kinderleicht sein – wenn alle an einem Strang ziehen
Beim Datenschutz geht es nicht nur um die Sensibilisierung von Unternehmen und deren Mitarbeitenden. Der Datenschutz betrifft alle, und zwar von Klein bis Groß. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist er wichtig, da sie im Internet unbewusst und ungewollt viele Daten hinterlassen. Es gibt seit Jahren Diskussionen über die Einführung des Datenschutzes als Pflichtfach im Unterricht. Bisher hat sich in dieser Hinsicht kaum etwas geändert. Doch online stehen zahlreiche kostenlose Möglichkeiten bereit, mit denen Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zur Oberschule für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten sensibilisieren können.
Es geht bei der Sensibilisierung nicht darum, dass Kinder die äußerst komplexen rechtlichen Anforderungen kennen und verstehen müssen. Es geht darum, ein Bewusstsein zu wecken und Kinder auf die digitale Welt vorzubereiten. Ein gewisses Basiswissen sollte man dabei berechtigterweise erwarten dürfen. Je früher das Bewusstmachen geschieht, desto einfacher wird es in Zukunft sowohl gesellschaftlich als auch persönlich für jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Jugendlichen sein. Das Angebot steht kostenfrei zur Verfügung, letztendlich muss man nur zugreifen.



Vielen Dank für die umfassende Darstellung des Themas und die freundliche Erwähnung von „Datenschutz geht zur Schule“ (http://www.dsgzs.de). Bei uns kann jede(r) mitmachen der/die Lust am Vermitteln von Wissen an Kindern und Jugendliche hat, beruflich mit Datenschutz /IT-Sicherheit zu tun hat und etwas Zeit mitbringt.
Ergänzend zur Darstellung im Bericht: Da aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen kaum noch Besuche in den Schulen möglich waren/sind, haben wir nun auch kurze Clips zu einigen Themen veröffentlicht, die unter einer CC-Lizenz stehen und als Impuls im Unterricht genutzt werden können. Sie sind zu finden unter datenschutz-leicht-erklaert.de.
Falls jemand fragt „warum das Ganze?“: Weil es zudem auch mal gut tut, bei Azubis oder Berufseinsteigern nicht jedesmal erklären zu müssen, warum WhatsApp und Dropbox im beruflichen Umfeld keine gute Ideen sind und dass nicht alles erlaubt ist, nur weil es technisch geht.
Sehr geehrter Herr Dr. Datenschutz, wenn Sie keinen Ratschlag geben können, sollten Sie einfach schweigen, oder ändern Sie Ihre Headline. Unsinn für Kinder und Jugendliche wird im Internet doch genug verbreitet! Vielleicht sollten Sie Ihren Anspruch an die Qualifikation Ihrer Autoren überdenken. Mit freundlichen Grüßen Ingenieurbüro [Name gelöscht] P.S.: Gerne führen wir mit Ihnen einen qualifizierten Dialog zu diesem Thema, wenn Sie es wünschen.
Nein, kein Bedarf.