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Datenreziprozität – Was bedeutet das?

Datenreziprozität – Was bedeutet das?

Datenreziprozität? Was versteht man darunter? Reziprozität bedeutet Wechselseitigkeit. Was man darunter im Hinblick auf Daten versteht, erfahren Sie hier.

Hokuspokus – reciprocus!

Klingt nach Harry Potter, ist es aber nicht. Reziprozität kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Wechselseitigkeit“. Es geht also um die Wechselseitigkeit der Daten – oder besser gesagt: Des Datenaustausches. Sind wir jetzt schlauer? Noch nicht wirklich. Datenreziprozität ist im Sinne eines fairen Wertaustausches zu verstehen. Damit soll sichergestellt werden, dass Unternehmen oder Staaten, die gemeinsam genutzte Daten verwenden, die gleichen Daten erhalten, die sie selbst beisteuern. Durch Gegenseitigkeit entstehen Beziehungen und gegenseitiges Vertrauen.

Warum ist das wichtig?

Daten haben einen Wert. Wenn Daten zur Verfügung gestellt werden, damit von der Gegenseite etwas zurückgegeben werden kann, werden Werte ausgetauscht, selbst wenn kein Geld fließt.

Wenn Gegenseitigkeit besteht, gibt es einen Wertefluss in beide Richtungen. Das hat zur Folge, dass sich Synergien entwickeln, die beiden Parteien des Datenaustausches zugutekommen sollen. Es gilt: „Wer gibt gewinnt“.

Diese Wechselseitigkeit des Datenaustausches im Rahmen von Gleichberechtigung und Fairness nennt man Datenreziprozität. Der faire Austausch von Werten rund um die Datennutzung soll durch dieses Prinzip sichergestellt werden. Es sollen wechselseitig klare Regeln aufgestellt werden, welche die gemeinsame Nutzung von Daten und den Schutz der Daten auf gleichem Niveau sichern. Die Menschen, Unternehmen und Länder hinter den gewonnenen und verarbeiteten Daten sollen vor potenziellem Schaden geschützt sein. Gleichzeitig soll der potenzielle Nutzen nicht gebremst werden.

Data reciprocity im Internationalen Datenaustausch

Datenreziprozität ist wichtig für einen effizienten und gleichmäßigen, also symmetrischen, Datenaustausch. Beide Seiten sollen gleichermaßen auf Daten und Informationen der anderen Seite zugreifen können.

Ein Beispiel: Abkommen zwischen zwei Staaten, sogenannte bilaterale Abkommen.

Indien hat zum Beispiel beschlossen, Botschaften für Daten – sogenannte Data Embassys – in anderen Ländern einzurichten und dies auch im eigenen Land zuzulassen. Es sollen „Räume des Vertrauens“ entstehen, in denen diplomatische Immunität herrscht. „Datenbotschaften“ würden einen Schutz vor lokaler Regulierung bieten und „Korridore des Vertrauens“ fördern. Datenreziprozität bedeutet in diesem Falle, dass die Daten indischer Bürger nur in jene Länder fließen dürfen, die dies umgekehrt auch für ihre Bürger zulassen. Der indische Staatsminister für Elektronik und Informationstechnologie, Rajeev Chandrasekhar, sagt dass jenes „reziproke Konzept“ einer solchen Immunität den indischen Rechenzentren Wachstum ermöglicht. Gleichzeitig könnten Unternehmen

„das indische Cloud-Ökosystem nutzen, um ihre Daten zum Zwecke der Geschäftskontinuität zu speichern“.

Das ist jetzt immer noch abstrakt und kompliziert. Versuchen wir ein Beispiel, das jeder kennt: Facebook. Facebook ist kostenlos. Allerdings werden Daten gesammelt, damit maßgeschneiderte Werbung auf dem Bildschirm erscheint. Ganz ursprünglich war die Idee aber einmal altruistisch. Jeder Nutzer des sozialen Netzwerks sollte sich in dem Maße darstellen und Inhalte teilen, wie alle anderen auch. Demnach sollten alle die gleichen Daten zur Verfügung stellen, die sie selbst bekamen. Erst nach und nach wurde aus Facebook eine Datenkrake, welche die Daten in dem heutigen Maße auswertet und monetarisiert. Somit hat Facebook sich selbst ein datenkapitalistisches System geschaffen: Im Austausch gegen Daten wird ein soziales Netzwerk zur Verfügung gestellt. Die Debatten über Facebook haben gezeigt, dass die Nutzer weitgehend kein Vertrauen und kein reziprokes Gefühl haben.

Daten als Zahlungsmittel – Reziprozität?

Die Urteile des EuGH Schems I und Schrems II unterstützen diese Auffassung. Denn es ist nicht transparent, wie genau die Daten der Nutzer verwertet werden. Auch der Wert der persönlichen Daten kann individuell kaum abgeschätzt werden. „Zahle“ ich angemessen? Oder sind meine Daten mehr wert?

Beim Zahlen mit Daten geht es also nicht mehr um den Gedanken der Reziprozität. Zwar besteht eine Wechselseitigkeit. Bei dem Geschäftsmodell der „Daten als Gegenleistung“ weiß der Nutzer aber in der Regel nicht, wie Unternehmen die Daten verwenden. Auch der pekuniäre Wert ihrer Daten lässt sich nicht einfach ermitteln.

Wechselseitigkeit und Fairness

Zusammengefasst lässt sich sagen: Datenreziprozität ist der Grundsatz der Wechselseitigkeit und Fairness rund um die Werte, die mit der gegenseitigen Zurverfügungstellung von Daten einhergehen. Hiervon abzugrenzen sind Geschäftsmodelle, die auf Daten als synallagmatische Gegenleistung basieren.

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  • Bei Facebook fand Datenreziprozität auch in der Beziehung zwischen Facebook und App-Entwicklern statt. Siehe Cambridge Analytica-Skandal und die Untersuchungen des britischen Parlaments. Siehe hier / RN 103: publications.parliament.uk/pa/cm201719/cmselect/cmcumeds/1791/1791.pdf: „‘Data reciprocity’ is the exchange of data between Facebook and apps, and then allowing the apps’ users to share their data with Facebook.“

  • Sehr schöner Beitrag, vor allem für studierte Lateiner, die nur Elitäre ansprechen wollen: pekuniäre, altruistisch, wenigstens wird „reziproke“ wirklich schön erklärt.

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