Die europäische KI-Verordnung (AI Act) verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis Sommer 2026 sogenannte „Regulatory Sandboxes“ einzurichten, um Innovationen trotz strenger Regeln rechtssicher zu erproben. Ein aktuelles Briefing des European Parliamentary Research Service (EPRS) vom März 2026 zeigt jedoch, dass die praktische Umsetzung aktuell noch stark hinterherhinkt.
Der Inhalt im Überblick
Reallabore für die KI-Entwicklung
Das Konzept der regulatorischen Sandkästen ist nicht neu und stammt ursprünglich aus der Regulierung des britischen FinTech-Sektors. Im Kontext des AI Acts handelt es sich dabei um kontrollierte Testumgebungen, die von den zuständigen nationalen Behörden bereitgestellt werden. Sie bieten Anbietern die Möglichkeit, innovative KI-Systeme für einen begrenzten Zeitraum unter behördlicher Aufsicht zu trainieren, zu validieren und unter realen Bedingungen zu testen.
Bis zum 2. August 2026 muss jeder EU-Staat mindestens eine solche Sandbox eingerichtet haben oder an einer teilnehmen.
Das Ziel ist klar: Rechtssicherheit fördern, Marktzugänge beschleunigen und insbesondere Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen bei der Compliance helfen.
Drei zentrale Hürden bei der Umsetzung
Obwohl die Vorteile in der Theorie überzeugen (die Behörden lernen dazu, Entwickler agieren rechtssicher und Verbraucher erhalten sichere Produkte), warnt das EPRS in seinem Bericht vor massiven Umsetzungsrisiken in der Praxis:
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Komplexes Design: Die Behörden müssen bei der Ausgestaltung exakt die richtige Balance finden. Die Zulassungskriterien müssen flexibel genug sein, um Innovationen anzuziehen, aber streng genug, um die Vorgaben der KI-Verordnung durchzusetzen.
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Drohende Fragmentierung: Der AI Act wird auf nationaler Ebene durchgesetzt. Wenn Mitgliedstaaten ihre Behörden ungleich mit Ressourcen ausstatten, droht ein Flickenteppich. KI-Anbieter könnten dann gezielt in Länder mit den „einfachsten“ Sandboxes abwandern.
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Massiver Zeitdruck: Die Frist bis August 2026 drängt enorm. Da die EU-Kommission ihre detaillierten Vorgaben für den Zugang zu den Sandboxes noch immer nicht finalisiert hat, müssen die Mitgliedstaaten derzeit beim Aufbau von Personal und Infrastruktur weitgehend im Blindflug agieren.
Status Quo: Spanien als einsamer Vorreiter
Der Blick auf die EU-Landkarte ist ernüchternd. Laut EPRS (Stand August 2025) hat von den 27 Mitgliedstaaten bisher nur Spanien eine funktionierende KI-Sandbox etabliert. Diese betreute bereits kurz nach dem Start 12 Hochrisiko-KI-Systeme und ermöglichte es der spanischen Aufsicht, frühzeitig Praxisleitlinien zu veröffentlichen. Fünf weitere Staaten arbeiten aktuell an der Umsetzung, während 16 Länder noch gar keine Pläne kommuniziert haben.
Um dem Chaos entgegenzuwirken, hat die EU-Kommission im Dezember 2025 zumindest einen Entwurf für die genauen rechtlichen Rahmenbedingungen vorgelegt. Parallel dazu wird auf EU-Ebene ein „Digital Omnibus“ diskutiert. Dieser Gesetzesvorschlag sieht unter anderem vor, der Kommission die Einrichtung einer eigenen, EU-weiten KI-Sandbox zu erlauben, um die nationalen Alleingänge besser zu koordinieren.



